Berühren, wo kein Körper ist. Erleben, wo keine Aktion ist. Hören, wo kein Ton ist. Schmecken, wo keine Frucht ist. Internet ist eine feine Sache. Für jeden Kranken findet sich die passende Seite. Und seien wir mal ehrlich; wer von uns ist schon “normal”? In der Schule habe ich einmal eine Buchinterpretation geschrieben. Mein Titel : “Von der Normalität zum Wahnsinn”. Meine Lehrerin gab mir eine eins dafür. Sie meinte, sie habe den Aufsatz gelesen und interpretieren können. Riet mir aber gleichzeitig zu einer Gesprächstherapie im Kreise von Zwangsjacken und Nervengiften. Mir erschien mein Aufsatz als wesensstark und aussagekräftig. Den Kern des Buches getroffen und tiefgründig analysiert. Menschen sind nun einmal verschieden. Aber sie deswegen als “krank” zu betiteln? Sie in eines der berühmten Schublädchen zu stecken? Ihnen klares Handeln und Verstehen absprechen?
Es gibt da einen Menschen, den andere als krank bezeichnen würde. So wie mich wahrscheinlich auch. Aber wir leben. Wir erleben. Wir atmen. Wir fühlen. Wir schmecken. Es gibt eine Verbindung. Wie sie zustande kam, das weiß ich. Aber wie Menschen sich so nahe kommen können, ohne den anderen berühren zu dürfen, ist mir unbegreiflich. Das Gefühl von “fallen” beherrscht momentan mein Leben. In Situationen, wo ich es nicht gebrauchen kann. Bei Aktivitäten, denen ich dann nicht mehr folgen kann. Es ist beängstigend. Aber wunderbar. Es macht mir bewusst, dass ich lebe. Wieder lebe …
Leben!
22. Dezember 2007 von daor