Dunkelste Welten öffnen sich, wenn man hasst. Wenn man sich betrogen fühlt. Wenn man verloren scheint. Allein gelassen wurde. Enttäuschungen hinnehmen musste, ohne gefragt zu werden, ob man dieses überhaupt zu verkraften vermag. Jemanden Leid zuzufügen ist schnell erfolgt. Verbal, physisch, emotional. Manchmal tut man es ohne es zu wollen. Denkt gar nicht nach. Tut es einfach, weil der Tag schlecht gelaufen ist, der letzte Parkplatz an einen Drängler ging, im Supermarkt mal wieder die langsamste Kassiererin erwischt hat und mal wieder 5 Minuten vor der eigenen Haustür stand und den Schlüssel nicht finden konnte. Dabei fiel der Einkauf hinunter, es fing zu regnen an und der Inhalt des schrecklich unpraktischen Pappbechers namens “Coffee-to-go” ergoss sich auf dem Bürgersteig. Das sind so Momente, in denen man sich Ruhe wünscht. Stille. Wärme. Alleinsein. Ganz schnell die Augen zukneifen und der Musik im Ohr lauschen, die einen immer über die schlimmen Stunden hinwegtröstet. “Easy” schenkte mir so einen Song. Ich liebe ihn, höre ihn immer, wenn ich traurig bin und bin mir fast sicher, dass er nicht einmal weiß, was er für mich bedeutet. Ich höre jede Note, jedes Wort.
Es ist wie schaukeln. Als Kind habe ich oft auf einem dieser alten Holzbrettchen gesessen. Es war an knirschenden Bastseilen befestigt, aufgehängt an einem knorrigen Baum. Wenn ich dann richtig Schwung holte und ganz oben war, die Sonne mich dazu zwang die Augen zu schließen, ich den Kopf in den Nacken legte und tief, ganz tief Luft holte…dann kam das hinabschwingen.
Es war wie fliegen, fallen, stürzen, abheben. Alles auf einmal. Dieses unweigerliche Kichern, die überschwängliche Freude und der Wunsch, es möge immer Sommer sein. Ich habe die Wärme immer sehr genossen, das Licht durch das Blattwerk, das Rauschen des Windes als ich wie wild schaukelte. Warum mache ich so etwas nicht mehr? Bin ich zu alt dafür? Ist es kindisch? Oder kindlich? Albern? Unpassend? … Es ist dumm. Nein, nicht das schaukeln. Das Verlernen sich selbst zu gestatten seinen Emotionen freien Lauf zu lassen. Auf sich zu hören, sich zu genießen, die Situation um einen herum aufzusaugen. Wenn es wärmer ist, ich einen Spielplatz sehe, dann werde ich schaukeln gehen. Ganz egal, was andere denken. Ich möchte wissen, ob es noch immer das gleiche Gefühl wie vor 20 Jahren ist. Für alle, die wissen möchten, welchen Song Easy mir schenkte. Lenny Krawitz “I´ll be waiting”
HASS
10. März 2008 von daor
Verlernen will gelernt sein.
Ich erinnere mich dessen, was ich vergessen wollte.
Vergaß, dessen ich mich erinnern will.
Habe ich jemals vergessen? Oder doch nur verdrängt?
Statt entledigt nur verlegt?